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10 Aug.
10. August 2026
KI in der Hosentasche: Was der Ausbildungsstart 2026 von Ausbildenden verlan

Die neuen Auszubildenden starten in eine Arbeitswelt, in der Künstliche Intelligenz längst angekommen ist.

Sie können sich Fachbegriffe erklären lassen, Texte formulieren, Informationen zusammenfassen, Aufgaben strukturieren, Bilder auswerten oder Ideen entwickeln.

Innerhalb weniger Sekunden.

Und oft direkt über das Smartphone.

Die KI ist in der Hosentasche.

Das verändert Ausbildung.

Denn KI kommt längst nicht mehr nur über offizielle IT Systeme ins Unternehmen. Sie kommt über Menschen, private Accounts, Browser und Smartphones. Das BIBB zeigt, dass KI Nutzung am Arbeitsplatz häufig aus Eigeninitiative entsteht. In einer aktuellen Darstellung verweist das Institut darauf, dass mehr als 60 Prozent der Fachkräfte, die KI nutzen, dies mit Anwendungen tun, die nicht offiziell vom Betrieb eingeführt wurden.

Für Ausbildungsleitungen entsteht daraus eine neue Realität.

Die entscheidende Frage lautet kaum noch:

Werden unsere Azubis KI nutzen?

Viel wichtiger ist:

Wie lernen sie, mit KI fachlich kompetent, kritisch und verantwortlich umzugehen?

KI verändert gerade die betriebliche Realität

Das Bundesinstitut für Berufsbildung widmet dem Thema im Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2026 ein komplettes Schwerpunktkapitel: „Künstliche Intelligenz in der Berufsbildung“. Dabei betrachtet das BIBB die langfristige Verbreitung von KI ebenso wie die aktuelle Umbruchphase durch generative KI.

Der frühere BIBB Präsident Friedrich Hubert Esser formuliert es noch deutlicher:

„Künstliche Intelligenz markiert einen Wendepunkt für die berufliche Bildung.“

Das ist mehr als ein Technologie Thema.

KI verändert Lernprozesse, Tätigkeiten, Kompetenzanforderungen und damit auch die Rolle von Ausbildenden.

Das BIBB betrachtet KI inzwischen entlang der gesamten beruflichen Bildung, von der Berufsorientierung über die Ausbildungspraxis und die Erwerbstätigkeit bis zur Weiterbildung.

Die wichtigste Veränderung: Antworten sind jederzeit verfügbar

Früher musste ein Auszubildender eine Kollegin fragen, im Fachbuch nachschlagen oder selbst länger nach einer Lösung suchen.

Heute reicht häufig ein Smartphone.

Das bietet enorme Chancen.

KI kann beim Lernen unterstützen. Sie kann Begriffe erklären, Beispiele geben, Texte vereinfachen, unterschiedliche Lösungswege darstellen oder beim Strukturieren einer Aufgabe helfen.

Doch genau hier entsteht eine neue Herausforderung.

Eine schnelle Antwort ist noch kein Lernen.

Und eine überzeugend formulierte KI Antwort ist noch kein fachlich richtiges Ergebnis.

Die Ausbildungsaufgabe verändert sich deshalb.

Auszubildende müssen zunehmend lernen,

  • Informationen einzuordnen,
  • KI Ergebnisse zu überprüfen,
  • Quellen einzuschätzen,
  • fachliche Zusammenhänge zu verstehen,
  • Entscheidungen zu begründen
  • und Verantwortung für das eigene Arbeitsergebnis zu übernehmen.

Je besser KI wird, desto wichtiger wird Urteilsfähigkeit

Das klingt zunächst paradox.

Je mehr eine KI übernehmen kann, desto wichtiger werden Fähigkeiten, die beim Menschen bleiben.

  • Kritisches Denken.
  • Urteilsvermögen.
  • Analysefähigkeit.
  • Kommunikation.
  • Transfer.
  • Verantwortung.

Das BIBB betont, dass KI die Arbeitswelt grundlegend verändert und damit neue Kompetenzanforderungen entstehen. Zugleich fordert es, KI Kompetenzen konsequent in Aus und Weiterbildung zu integrieren und auch das Ausbildungspersonal dabei mitzunehmen.

Für mich folgt daraus eine klare Konsequenz:

Wir sollten weniger überprüfen, ob ein Auszubildender eine Antwort reproduzieren kann. Wir sollten stärker prüfen, ob er sie versteht, bewertet und verantwortet.

Das verändert Lernaufgaben.

Aus der Aufgabe „Erkläre diesen Sachverhalt.“

kann beispielsweise werden:

„Nutze eine KI, um dir den Sachverhalt erklären zu lassen. Prüfe die Antwort anhand einer verlässlichen Quelle. Markiere, was korrekt, unklar oder möglicherweise falsch ist. Erkläre anschließend mit eigenen Worten, wie du den Sachverhalt verstanden hast.“

Plötzlich wird KI selbst zum Lernwerkzeug. Und genau dort beginnt wirksames Lernen.

Fünf konkrete Impulse für Ausbildungsleitungen

1. Sprecht vom ersten Tag an offen über KI

Wenn Unternehmen das Thema vermeiden, verschwindet die Nutzung kaum. Sie wird lediglich unsichtbar.

Deshalb gehört KI aus meiner Sicht bereits ins Onboarding.

Klärt gemeinsam:

  • Welche KI Anwendungen dürfen genutzt werden?
  • Für welche Aufgaben sind sie geeignet?
  • Welche Daten dürfen eingegeben werden?
  • Welche Ergebnisse müssen überprüft werden?
  • Wann braucht es einen Human in the loop?
  • Wie wird transparent gemacht, dass KI eingesetzt wurde?

Ein einfacher Leitsatz kann helfen:

Du darfst KI nutzen. Du musst verstehen, was du damit tust. Und du bleibst für dein Arbeitsergebnis verantwortlich.

2. Arbeitet mit einer klaren Risikologik

Auszubildende brauchen konkrete Orientierung.

Eine einfache Einteilung in vier Klassen funktioniert im Alltag gut.

Grün

KI kann bei risikoarmen Aufgaben unterstützen.

Zum Beispiel:

  • Begriffe erklären lassen
  • Ideen sammeln
  • Lernfragen erstellen
  • Texte strukturieren
  • Formulierungen verbessern

Gelb

KI Nutzung ist möglich, die Ergebnisse brauchen eine genaue fachliche Prüfung.

Zum Beispiel:

  • fachliche Recherche
  • Berechnungen
  • technische Erklärungen
  • Kundeninformationen
  • Vorbereitung von Entscheidungen
  • Hier sollte ein Human in the loop das Ergebnis prüfen.

Orange

KI darf nur nach vorheriger Abstimmung genutzt werden.

Dazu gehören beispielsweise:

  • interne Unternehmensinformationen
  • Kundendaten
  • personenbezogene Informationen
  • Vertragsinhalte
  • interne Bewertungen
  • geschäftskritische Entscheidungen

Rot

KI Nutzung bleibt ausgeschlossen, wenn rechtliche Grenzen überschritten, Menschen gefährdet oder Täuschung ermöglicht würden.

Zum Beispiel bei:

  • unzulässiger Verarbeitung sensibler Daten
  • manipulierten Ausbildungsnachweisen
  • Täuschung bei Prüfungsleistungen
  • diskriminierenden Entscheidungen

Eine solche Logik hilft im Arbeitsalltag wesentlich mehr als der Satz: „Geht verantwortungsvoll mit KI um.“

3. Lasst Auszubildende ihren Denkweg zeigen

Wenn KI beteiligt war, sollte sich Feedback nicht nur auf das fertige Ergebnis richten.

Fragt zusätzlich:

  • Welche Frage hast du der KI gestellt?
  • Warum hast du sie so formuliert?
  • Welche Antwort hast du erhalten?
  • Was hast du überprüft?
  • Welche Stellen waren fragwürdig?
  • Was hast du verändert?
  • Welche Entscheidung hast du selbst getroffen?

Damit wird sichtbar, ob tatsächlich gelernt wurde.

4. Bewertet stärker das Denken hinter dem Ergebnis

KI kann heute überzeugende Texte, Präsentationen und Lösungsvorschläge erzeugen.

Das fertige Produkt sagt deshalb immer weniger darüber aus, wie viel ein Auszubildender tatsächlich verstanden hat.

Für Lernzielkontrollen werden andere Kriterien wichtiger:

  • Verständnis
  • fachliche Einordnung
  • Quellenprüfung
  • Urteilsvermögen
  • Begründung
  • Transfer in den Betrieb
  • Reflexion
  • Verantwortungsübernahme

Eine gute Lernaufgabe könnte deshalb lauten: „Nutze KI, um drei Lösungsmöglichkeiten zu erstellen. Prüfe jede Variante anhand unserer betrieblichen Anforderungen. Entscheide dich für eine Lösung und begründe, welche Vorschläge du übernommen, verändert oder verworfen hast.“

Damit bleibt der Mensch im Lernprozess aktiv.

5. Qualifiziert die Ausbildenden genauso konsequent

Auszubildende brauchen Orientierung im Umgang mit KI.

Dafür benötigen auch Ausbilderinnen, Ausbilder und Ausbildungsbeauftragte Sicherheit.

Das bedeutet keineswegs, jedes neue KI Tool perfekt beherrschen zu müssen.

Entscheidend sind andere Kompetenzen:

  • KI Möglichkeiten einschätzen
  • Risiken erkennen
  • gute Lernaufgaben gestalten
  • Ergebnisse kritisch prüfen
  • rechtliche Grenzen kennen
  • Reflexion ermöglichen
  • Verantwortung klären

Das BIBB bietet über Leando inzwischen konkrete Angebote für Ausbildungs und Prüfungspersonal an. Dazu gehören auch Grundlagen zum EU AI Act und praxisorientierte Formate zum Einsatz von KI in Ausbildung und Prüfung.

Ein einfacher KI Start für die erste Ausbildungswoche

Dafür braucht es kein großes KI Projekt. 60 bis 90 Minuten reichen für einen ersten gemeinsamen Workshop.

Schritt 1: Nutzung sichtbar machen

Fragt die neuen Auszubildenden:

  • Wofür nutzt ihr KI heute schon?
  • Beim Lernen?
  • Beim Schreiben?
  • Zum Recherchieren?
  • Beim Programmieren?
  • Zum Übersetzen?
  • Zum Entwickeln von Ideen?
  • Damit beginnt ihr bei ihrer tatsächlichen Lebensrealität.

Schritt 2: Eine echte Aufgabe bearbeiten

Gebt allen dieselbe einfache betriebliche Aufgabe.

  • Eine Gruppe arbeitet ohne KI.
  • Eine Gruppe arbeitet mit KI.

Danach werden die Ergebnisse verglichen.

Schritt 3: Gemeinsam prüfen

  • Was war hilfreich?
  • Wo hat die KI Zeit gespart?
  • Wo fehlte betrieblicher Kontext?
  • Wo war eine Antwort ungenau?
  • Wo klang etwas überzeugend und war trotzdem falsch?

Schritt 4: Grün, Gelb, Orange oder Rot?

Ordnet typische Situationen aus eurem Ausbildungsalltag gemeinsam ein. Damit werden aus abstrakten Vorgaben konkrete Regeln.

Schritt 5: Verantwortung klären

Zum Abschluss braucht es eine gemeinsame Vereinbarung.

Zum Beispiel: KI unterstützt unser Denken. Fachliche Prüfung und Verantwortung bleiben beim Menschen.

KI Kompetenz gehört zur Ausbildungsqualität

Ausbildung soll junge Menschen auf ihre spätere Arbeitswelt vorbereiten.

Genau deshalb gehört der kompetente Umgang mit KI heute dazu.

Das BIBB beschreibt KI als ein Schlüsselthema für die berufliche Bildung und fordert eine stärkere Integration marktgängiger KI Kompetenzen in Aus und Weiterbildung. Gleichzeitig soll das Ausbildungspersonal aktiv in diesen Wandel einbezogen werden.

Die neuen Auszubildenden bringen KI bereits mit. Das ist eine neue Ausbildungsrealität. Unsere Aufgabe besteht darin, jungen Menschen beizubringen, aus verfügbaren Antworten gute Entscheidungen zu machen.

Die entscheidende Frage für Ausbildungsleitungen

Deshalb würde ich den Ausbildungsstart 2026 mit einer anderen Frage beginnen:

  • Wie bilden wir Menschen aus, die mit KI weiterhin selbstständig denken, fachlich prüfen und verantwortlich handeln können?
  • Wer darauf eine gute Antwort findet, vermittelt weit mehr als Bedienkompetenz für ein digitales Werkzeug.
  • Er vermittelt berufliche Handlungskompetenz für eine Arbeitswelt, die sich gerade grundlegend verändert.

Ausbildung gemeinsam weiterdenken

Genau diese Fragen beschäftigen aktuell viele Ausbildungsleitungen:

  • Wie verändern wir Lernaufgaben?
  • Wie gestalten wir Feedback?
  • Wie prüfen wir Lernergebnisse?
  • Welche Regeln brauchen wir für KI?
  • Wie qualifizieren wir Ausbildungsbeauftragte?
  • Und wie sorgen wir dafür, dass KI Lernen unterstützt und das eigene Denken weiter gefordert bleibt?

Der Deutsche Ausbildungsleitungskongress 2026 bringt am 10. und 11. November 2026 im Congress Center Düsseldorf Ausbildungsleitungen und Ausbildungsverantwortliche zusammen, um aktuelle Herausforderungen und praxistaugliche Lösungen für eine zukunftsfähige Ausbildung zu diskutieren.

Ich werde beim DALK 2026 vor Ort sein und freue mich besonders auf den Austausch darüber, wie wir Ausbildung in einer Arbeitswelt gestalten, in der KI längst in der Hosentasche steckt.

Mit dem Rabattcode ADMDALK10 erhalten Teilnehmende aus meinem Netzwerk zehn Prozent Ermäßigung auf ihr Ticket.

Hier geht es direkt zur Anmeldung:
https://tickets.education-events.de/de/shop/dalk-duesseldorf-2026

Denn die spannende Frage lautet längst nicht mehr, ob junge Menschen KI nutzen.

Die spannende Frage lautet, was sie damit lernen.

Quellen

Bundesinstitut für Berufsbildung: Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2026, Schwerpunktthema „Künstliche Intelligenz in der Berufsbildung“
https://www.bibb.de/dienst/publikationen/de/21037

Bundesinstitut für Berufsbildung: „BIBB Datenreport 2026: Ausbildungsmarkt schwächer, KI im Fokus“, 6. Mai 2026
https://www.bibb.de/de/pressemitteilung_221716.php

Bundesinstitut für Berufsbildung: Jahresbericht 2025, Schwerpunkt Künstliche Intelligenz in der beruflichen Bildung
https://www.bibb.de/dienst/publikationen/de/21005

Bundesinstitut für Berufsbildung: „Künstliche Intelligenz als Wendepunkt für die berufliche Bildung“, Pressemitteilung vom 25. Juni 2026
https://www.bibb.de/de/pressemitteilung_223437.php

Bundesinstitut für Berufsbildung: „Berufsausbildung im Wandel: Alles KI oder was?!“, Leando Tagung zu KI in Ausbildung und Prüfung
https://www.bibb.de/de/pressemitteilung_213973.php

Bundesinstitut für Berufsbildung: Künstliche Intelligenz in Ausbildung und beruflicher Bildung
https://www.bibb.de/de/207534.php

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