Die neuen Auszubildenden starten in eine Arbeitswelt, in der Künstliche Intelligenz längst angekommen ist.
Sie können sich Fachbegriffe erklären lassen, Texte formulieren, Informationen zusammenfassen, Aufgaben strukturieren, Bilder auswerten oder Ideen entwickeln.
Innerhalb weniger Sekunden.
Und oft direkt über das Smartphone.
Die KI ist in der Hosentasche.
Das verändert Ausbildung.
Denn KI kommt längst nicht mehr nur über offizielle IT Systeme ins Unternehmen. Sie kommt über Menschen, private Accounts, Browser und Smartphones. Das BIBB zeigt, dass KI Nutzung am Arbeitsplatz häufig aus Eigeninitiative entsteht. In einer aktuellen Darstellung verweist das Institut darauf, dass mehr als 60 Prozent der Fachkräfte, die KI nutzen, dies mit Anwendungen tun, die nicht offiziell vom Betrieb eingeführt wurden.
Für Ausbildungsleitungen entsteht daraus eine neue Realität.
Die entscheidende Frage lautet kaum noch:
Werden unsere Azubis KI nutzen?
Viel wichtiger ist:
Wie lernen sie, mit KI fachlich kompetent, kritisch und verantwortlich umzugehen?
Das Bundesinstitut für Berufsbildung widmet dem Thema im Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2026 ein komplettes Schwerpunktkapitel: „Künstliche Intelligenz in der Berufsbildung“. Dabei betrachtet das BIBB die langfristige Verbreitung von KI ebenso wie die aktuelle Umbruchphase durch generative KI.
Der frühere BIBB Präsident Friedrich Hubert Esser formuliert es noch deutlicher:
„Künstliche Intelligenz markiert einen Wendepunkt für die berufliche Bildung.“
Das ist mehr als ein Technologie Thema.
KI verändert Lernprozesse, Tätigkeiten, Kompetenzanforderungen und damit auch die Rolle von Ausbildenden.
Das BIBB betrachtet KI inzwischen entlang der gesamten beruflichen Bildung, von der Berufsorientierung über die Ausbildungspraxis und die Erwerbstätigkeit bis zur Weiterbildung.
Früher musste ein Auszubildender eine Kollegin fragen, im Fachbuch nachschlagen oder selbst länger nach einer Lösung suchen.
Heute reicht häufig ein Smartphone.
Das bietet enorme Chancen.
KI kann beim Lernen unterstützen. Sie kann Begriffe erklären, Beispiele geben, Texte vereinfachen, unterschiedliche Lösungswege darstellen oder beim Strukturieren einer Aufgabe helfen.
Doch genau hier entsteht eine neue Herausforderung.
Eine schnelle Antwort ist noch kein Lernen.
Und eine überzeugend formulierte KI Antwort ist noch kein fachlich richtiges Ergebnis.
Die Ausbildungsaufgabe verändert sich deshalb.
Auszubildende müssen zunehmend lernen,
Das klingt zunächst paradox.
Je mehr eine KI übernehmen kann, desto wichtiger werden Fähigkeiten, die beim Menschen bleiben.
Das BIBB betont, dass KI die Arbeitswelt grundlegend verändert und damit neue Kompetenzanforderungen entstehen. Zugleich fordert es, KI Kompetenzen konsequent in Aus und Weiterbildung zu integrieren und auch das Ausbildungspersonal dabei mitzunehmen.
Für mich folgt daraus eine klare Konsequenz:
Wir sollten weniger überprüfen, ob ein Auszubildender eine Antwort reproduzieren kann. Wir sollten stärker prüfen, ob er sie versteht, bewertet und verantwortet.
Das verändert Lernaufgaben.
Aus der Aufgabe „Erkläre diesen Sachverhalt.“
kann beispielsweise werden:
„Nutze eine KI, um dir den Sachverhalt erklären zu lassen. Prüfe die Antwort anhand einer verlässlichen Quelle. Markiere, was korrekt, unklar oder möglicherweise falsch ist. Erkläre anschließend mit eigenen Worten, wie du den Sachverhalt verstanden hast.“
Plötzlich wird KI selbst zum Lernwerkzeug. Und genau dort beginnt wirksames Lernen.
Wenn Unternehmen das Thema vermeiden, verschwindet die Nutzung kaum. Sie wird lediglich unsichtbar.
Deshalb gehört KI aus meiner Sicht bereits ins Onboarding.
Klärt gemeinsam:
Ein einfacher Leitsatz kann helfen:
Du darfst KI nutzen. Du musst verstehen, was du damit tust. Und du bleibst für dein Arbeitsergebnis verantwortlich.
Auszubildende brauchen konkrete Orientierung.
Eine einfache Einteilung in vier Klassen funktioniert im Alltag gut.
Grün
KI kann bei risikoarmen Aufgaben unterstützen.
Zum Beispiel:
Gelb
KI Nutzung ist möglich, die Ergebnisse brauchen eine genaue fachliche Prüfung.
Zum Beispiel:
Orange
KI darf nur nach vorheriger Abstimmung genutzt werden.
Dazu gehören beispielsweise:
Rot
KI Nutzung bleibt ausgeschlossen, wenn rechtliche Grenzen überschritten, Menschen gefährdet oder Täuschung ermöglicht würden.
Zum Beispiel bei:
Eine solche Logik hilft im Arbeitsalltag wesentlich mehr als der Satz: „Geht verantwortungsvoll mit KI um.“
Wenn KI beteiligt war, sollte sich Feedback nicht nur auf das fertige Ergebnis richten.
Fragt zusätzlich:
Damit wird sichtbar, ob tatsächlich gelernt wurde.
KI kann heute überzeugende Texte, Präsentationen und Lösungsvorschläge erzeugen.
Das fertige Produkt sagt deshalb immer weniger darüber aus, wie viel ein Auszubildender tatsächlich verstanden hat.
Für Lernzielkontrollen werden andere Kriterien wichtiger:
Eine gute Lernaufgabe könnte deshalb lauten: „Nutze KI, um drei Lösungsmöglichkeiten zu erstellen. Prüfe jede Variante anhand unserer betrieblichen Anforderungen. Entscheide dich für eine Lösung und begründe, welche Vorschläge du übernommen, verändert oder verworfen hast.“
Damit bleibt der Mensch im Lernprozess aktiv.
Auszubildende brauchen Orientierung im Umgang mit KI.
Dafür benötigen auch Ausbilderinnen, Ausbilder und Ausbildungsbeauftragte Sicherheit.
Das bedeutet keineswegs, jedes neue KI Tool perfekt beherrschen zu müssen.
Entscheidend sind andere Kompetenzen:
Das BIBB bietet über Leando inzwischen konkrete Angebote für Ausbildungs und Prüfungspersonal an. Dazu gehören auch Grundlagen zum EU AI Act und praxisorientierte Formate zum Einsatz von KI in Ausbildung und Prüfung.
Dafür braucht es kein großes KI Projekt. 60 bis 90 Minuten reichen für einen ersten gemeinsamen Workshop.
Fragt die neuen Auszubildenden:
Gebt allen dieselbe einfache betriebliche Aufgabe.
Danach werden die Ergebnisse verglichen.
Ordnet typische Situationen aus eurem Ausbildungsalltag gemeinsam ein. Damit werden aus abstrakten Vorgaben konkrete Regeln.
Zum Abschluss braucht es eine gemeinsame Vereinbarung.
Zum Beispiel: KI unterstützt unser Denken. Fachliche Prüfung und Verantwortung bleiben beim Menschen.
Ausbildung soll junge Menschen auf ihre spätere Arbeitswelt vorbereiten.
Genau deshalb gehört der kompetente Umgang mit KI heute dazu.
Das BIBB beschreibt KI als ein Schlüsselthema für die berufliche Bildung und fordert eine stärkere Integration marktgängiger KI Kompetenzen in Aus und Weiterbildung. Gleichzeitig soll das Ausbildungspersonal aktiv in diesen Wandel einbezogen werden.
Die neuen Auszubildenden bringen KI bereits mit. Das ist eine neue Ausbildungsrealität. Unsere Aufgabe besteht darin, jungen Menschen beizubringen, aus verfügbaren Antworten gute Entscheidungen zu machen.
Deshalb würde ich den Ausbildungsstart 2026 mit einer anderen Frage beginnen:
Genau diese Fragen beschäftigen aktuell viele Ausbildungsleitungen:
Der Deutsche Ausbildungsleitungskongress 2026 bringt am 10. und 11. November 2026 im Congress Center Düsseldorf Ausbildungsleitungen und Ausbildungsverantwortliche zusammen, um aktuelle Herausforderungen und praxistaugliche Lösungen für eine zukunftsfähige Ausbildung zu diskutieren.
Ich werde beim DALK 2026 vor Ort sein und freue mich besonders auf den Austausch darüber, wie wir Ausbildung in einer Arbeitswelt gestalten, in der KI längst in der Hosentasche steckt.
Mit dem Rabattcode ADMDALK10 erhalten Teilnehmende aus meinem Netzwerk zehn Prozent Ermäßigung auf ihr Ticket.
Hier geht es direkt zur Anmeldung:
https://tickets.education-events.de/de/shop/dalk-duesseldorf-2026
Denn die spannende Frage lautet längst nicht mehr, ob junge Menschen KI nutzen.
Die spannende Frage lautet, was sie damit lernen.
Bundesinstitut für Berufsbildung: Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2026, Schwerpunktthema „Künstliche Intelligenz in der Berufsbildung“
https://www.bibb.de/dienst/publikationen/de/21037
Bundesinstitut für Berufsbildung: „BIBB Datenreport 2026: Ausbildungsmarkt schwächer, KI im Fokus“, 6. Mai 2026
https://www.bibb.de/de/pressemitteilung_221716.php
Bundesinstitut für Berufsbildung: Jahresbericht 2025, Schwerpunkt Künstliche Intelligenz in der beruflichen Bildung
https://www.bibb.de/dienst/publikationen/de/21005
Bundesinstitut für Berufsbildung: „Künstliche Intelligenz als Wendepunkt für die berufliche Bildung“, Pressemitteilung vom 25. Juni 2026
https://www.bibb.de/de/pressemitteilung_223437.php
Bundesinstitut für Berufsbildung: „Berufsausbildung im Wandel: Alles KI oder was?!“, Leando Tagung zu KI in Ausbildung und Prüfung
https://www.bibb.de/de/pressemitteilung_213973.php
Bundesinstitut für Berufsbildung: Künstliche Intelligenz in Ausbildung und beruflicher Bildung
https://www.bibb.de/de/207534.php