Andreas Dolle und Ulrike Dolle waren auf Einladung von FSAS zwei Tage vor Ort beim FSAS Technology Summit 2026 im Showpalast München. Zwischen Keynotes, Partnerdialogen, Technologieausstellung und vielen Gesprächen entstand ein dichtes Bild davon, wohin sich der IT-Markt bewegt: weg von reiner Produktlogik, hin zu digitaler Souveränität, Vertrauen, Verantwortung und echter Transformationskompetenz.
Für Unternehmerinnen und Unternehmer war dieser Summit deshalb mehr als ein Branchentreffen. Er war ein Weckruf.
Denn die zentrale Frage lautet nicht mehr: Welche Technologie brauchen wir? Die eigentliche Frage lautet: Wie entwickeln wir unser Unternehmen so weiter, dass wir mit dieser technologischen Dynamik überhaupt Schritt halten können?
Künstliche Intelligenz, Cyberresilienz, Quantencomputing, hybride Infrastrukturen, souveräne Plattformen und neue regulatorische Anforderungen verändern nicht nur IT-Architekturen. Sie verändern Geschäftsmodelle, Rollenbilder, Führungsaufgaben, Vertriebslogiken und Kundenbeziehungen.
Wer das als reine Technologiefrage behandelt, greift zu kurz. Die eigentliche Herausforderung ist Transformation.
Auf der Bühne sprachen unter anderem Anja Kohl, bekannt aus der ARD-Sendung „Börse vor acht“, Professor Dr. Maja Göpel, FSAS-Chef Santosch Wadwa, Maik Homscheid und weitere Führungspersönlichkeiten und Experten. Die Themen reichten von digitaler Souveränität über KI und Nachhaltigkeit bis zu Resilienz, Verantwortung und der Rolle des Channels.
Doch unter der Oberfläche aller Fachthemen lag eine gemeinsame Botschaft: Unternehmen brauchen Orientierung.
Nicht nur technologisch. Sondern strategisch, kulturell und menschlich.
Anja Kohl machte deutlich, wie schnell Zukunft falsch eingeschätzt wird. Viele große technologische Entwicklungen wurden anfangs unterschätzt. Das Automobil. Das Flugzeug. Der Tonfilm. Das Internet. Immer wieder glaubten Entscheider, sie hätten noch Zeit. Und immer wieder kam die Zukunft schneller, als die eigene Organisation reagieren konnte.
Für Unternehmer ist das die eigentliche Warnung: Nicht die Technologie ist das Risiko. Das Risiko ist die Trägheit des eigenen Unternehmens.
Zeit wird zur härtesten Währung. Wer zu lange wartet, verliert nicht nur Marktanteile. Er verliert Deutungshoheit, Kundenvertrauen und Anschlussfähigkeit.
Santosch Wadwa setzte einen der stärksten strategischen Akzente des Summits. Seine Botschaft: Digitale Souveränität ist kein abstraktes Politikkonzept. Sie ist eine unternehmerische Überlebensfrage.
Denn in einer vernetzten Wirtschaft entscheidet digitale Infrastruktur darüber, ob ein Unternehmen handlungsfähig bleibt. Wer seine Daten, Plattformen, Prozesse und kritischen Abhängigkeiten nicht mehr kontrolliert, gibt ein Stück unternehmerischer Freiheit ab.
Die Metapher von der „Schweiz der IT“ bringt diesen Anspruch auf den Punkt: unabhängig, neutral, verlässlich. Nicht im Sinne vollständiger Autarkie. Die gibt es in globalen Wertschöpfungsketten kaum noch. Sondern im Sinne echter Wahlfreiheit. Souverän ist, wer Alternativen hat. Wer wechseln kann. Wer nicht erpressbar wird. Wer seine kritischen Prozesse auch dann beherrscht, wenn Märkte, Politik oder Lieferketten kippen.
Für Unternehmer bedeutet das: IT-Entscheidungen dürfen nicht länger nur nach Preis, Performance und gewohnter Lieferantenlogik getroffen werden. Sie müssen Teil der Unternehmensstrategie werden.
Die entscheidenden Fragen lauten:
Welche Abhängigkeiten akzeptieren wir?
Welche Daten dürfen wohin?
Welche Prozesse müssen wir selbst kontrollieren?
Welche Partner sind langfristig vertrauenswürdig?
Welche Technologien stärken unsere Handlungsfähigkeit?
Und welche machen uns bequem, aber abhängig?
Das sind keine Fragen für die IT-Abteilung allein. Das sind Fragen für Geschäftsführung, Beirat und Strategieprozess.
Bemerkenswert war, wie stark der Summit vermeintlich weiche Themen in den Mittelpunkt stellte: Vertrauen, Verantwortung, Mündigkeit, Kooperation, Ethik, Nachhaltigkeit und Menschenbild.
In klassischen Managementrunden werden diese Begriffe schnell als Kulturthemen abgelegt. Doch genau das wäre ein Fehler. Denn in Zeiten hoher technologischer Unsicherheit werden diese Faktoren zu harten Wettbewerbsvorteilen.
Professor Dr. Maja Göpel stellte die entscheidende Frage: Welchem Zweck dient technologische Entwicklung eigentlich? Geht es um eine digitale Zukunft, in der wenige Plattformen Daten, Wahrnehmung und Macht konzentrieren? Oder geht es um Technologien, die Kooperation, Mündigkeit, Nachhaltigkeit und menschliche Entwicklung stärken?
Für Unternehmer ist diese Frage hochrelevant. Denn jede Technologieentscheidung enthält ein implizites Menschenbild. Wird KI eingeführt, um Mitarbeitende zu befähigen? Oder um sie zu ersetzen? Werden Daten genutzt, um bessere Entscheidungen zu treffen? Oder um Kontrolle zu verdichten? Wird Automatisierung eingesetzt, um Freiräume für Wertschöpfung zu schaffen? Oder um zusätzlichen Druck aufzubauen?
Wer Transformation führen will, muss diese Fragen beantworten. Nicht in Sonntagsreden. Sondern in konkreten Entscheidungen.
Kaum ein Thema wurde auf dem Summit so intensiv diskutiert wie künstliche Intelligenz. Aber die spannendste Erkenntnis war nicht, welche KI-Systeme technisch möglich sind. Die spannendste Erkenntnis war: KI verändert Arbeit.
Wenn KI-Agenten Prozesse vorbereiten, Daten analysieren, Infrastruktur überwachen, Dokumente auswerten, Kundenanfragen strukturieren oder Software entwickeln, dann verschieben sich Aufgaben, Verantwortung und Selbstbilder.
Mitarbeitende fragen sich: Was ist mein Beitrag, wenn Routinearbeit automatisiert wird? Führungskräfte fragen sich: Wie steuere ich Leistung, wenn Ergebnisse schneller entstehen, aber schwerer überprüfbar werden? Vertriebsorganisationen fragen sich: Wie verändert sich Beratung, wenn Kunden selbst mit KI recherchieren und vergleichen?
Genau hier beginnt Change Management.
KI-Projekte scheitern selten nur an Technologie. Sie scheitern an fehlender Akzeptanz, unklaren Rollen, mangelnder Datenqualität, überzogenen Erwartungen, Ängsten und fehlender Führung.
Der Unternehmer, der KI einführt, führt deshalb keinen IT-Rollout. Er führt einen Identitätswandel.
Menschen müssen verstehen, warum sich Arbeit verändert. Sie müssen erleben, dass Technologie sie nicht entwertet, sondern befähigt. Sie brauchen neue Kompetenzen, neue Routinen und neue Sicherheit im Umgang mit Ergebnissen, die von Maschinen vorbereitet werden. Sie müssen lernen, bessere Fragen zu stellen, Antworten zu prüfen und Verantwortung bewusst zu behalten.
Das ist nicht mit einer Tool-Schulung erledigt.
In vielen Transformationsprojekten klingt der Satz „Wir müssen die Menschen mitnehmen“ wie eine Pflichtformel. Auf dem FSAS Summit wurde deutlich: Genau darin liegt die eigentliche Führungsaufgabe.
Menschen gehen Veränderung nicht mit, weil sie eine Präsentation verstanden haben. Sie gehen mit, wenn sie Sinn erkennen, Vertrauen entwickeln und einen eigenen Platz in der neuen Realität finden.
Dafür braucht es Kommunikation, Beteiligung und Orientierung. Vor allem aber braucht es Führungskräfte, die nicht nur Entscheidungen verkünden, sondern Ambivalenzen aushalten können.
Denn die technologische Zukunft ist nicht widerspruchsfrei. KI verspricht Produktivität, erzeugt aber auch Überforderung. Automatisierung schafft Effizienz, kann aber Kontrolle entziehen. Souveränität stärkt Unabhängigkeit, kann aber kurzfristig unbequemer sein. Open Source schafft Freiheit, erfordert aber Kompetenz. Nachhaltigkeit senkt langfristig Risiken, erhöht aber kurzfristig Entscheidungsdruck.
Wer diese Spannungen ignoriert, verliert Vertrauen. Wer sie aktiv moderiert, gewinnt Führungsstärke.
Transformation heißt deshalb nicht, Widerstand zu beseitigen. Transformation heißt, Widerstand zu verstehen, einzuordnen und in tragfähige Bewegung zu übersetzen.
Für Systemhäuser hat der Summit eine besonders klare Botschaft. Die alte Rolle reicht nicht mehr.
Kunden kaufen heute nicht mehr einfach Hardware, Software oder Services. Sie kaufen Sicherheit, Geschwindigkeit, Verfügbarkeit, regulatorische Entlastung, digitale Souveränität und Orientierung. Sie wollen wissen, welche Entscheidungen sie treffen müssen, welche Risiken sie eingehen und wie sie ihr Unternehmen zukunftsfähig aufstellen.
Damit verändern sich die Erwartungen an Systemhäuser fundamental.
Aus Techniklieferanten werden Transformationspartner.
Aus Produktverkäufern werden Vertrauensarchitekten.
Aus Implementierern werden Begleiter organisatorischer Veränderung.
Aus Account Managern werden Trusted Advisor.
Das klingt anspruchsvoll. Und genau das ist es auch.
Denn wer Kunden in dieser neuen Realität beraten will, muss mehr können als technische Spezifikationen erklären. Er muss Geschäftsmodelle verstehen. Er muss Risiken übersetzen. Er muss Entscheidergespräche führen. Er muss Stakeholder einbinden. Er muss helfen, Prioritäten zu setzen. Und er muss die Brücke zwischen Technologie, Organisation und Mensch bauen.
Das ist die eigentliche Weiterentwicklung des Systemhausgeschäfts.
Auch im Vertrieb verändert sich die Lage grundlegend. Der klassische Lösungsvertrieb war lange darauf ausgerichtet, Kundenbedarfe zu analysieren und passende Lösungen zu entwickeln. Das bleibt wichtig. Aber es reicht nicht mehr.
Heute kommen Kunden häufig mit diffusen Zukunftsfragen:
Wie nutzen wir KI, ohne Daten zu gefährden?
Wie bleiben wir souverän, ohne uns abzuschotten?
Wie schützen wir uns vor Cyberangriffen?
Wie modernisieren wir, ohne die Organisation zu überfordern?
Wie entscheiden wir zwischen Cloud, On-Premises und Hybrid?
Wie erfüllen wir regulatorische Anforderungen, ohne Innovationsfähigkeit zu verlieren?
Diese Fragen lassen sich nicht mit Produktargumenten beantworten. Sie verlangen Beratung.
Der Vertrieb muss deshalb mehr denn je die Identität eines Trusted Advisors entwickeln. Ein Trusted Advisor verkauft nicht vorschnell. Er hilft dem Kunden, seine Lage besser zu verstehen. Er stellt die besseren Fragen. Er macht Unsicherheiten besprechbar. Er zeigt Optionen auf. Er verbindet wirtschaftliche, technische und menschliche Perspektiven.
Gerade in Zeiten von KI und digitaler Souveränität wird diese Fähigkeit zum Differenzierungsmerkmal.
Denn je komplexer die Technologie, desto wichtiger wird Vertrauen in den Menschen, der sie erklärt.
Für Unternehmer im Systemhausumfeld entsteht daraus eine strategische Konsequenz: Change- und Transformationskompetenz dürfen nicht länger als Ergänzung betrachtet werden. Sie müssen Teil des Geschäftsmodells werden.
Wer IT-Projekte verkauft, verkauft künftig auch Veränderungsfähigkeit. Wer KI-Projekte begleitet, muss auch Akzeptanz, Kommunikation und Kompetenzaufbau begleiten. Wer Souveränität berät, muss Entscheidern helfen, Abhängigkeiten, Risiken und langfristige Konsequenzen zu verstehen. Wer Cyberresilienz anbietet, muss Notfallfähigkeit nicht nur technisch, sondern organisatorisch denken.
Das eröffnet neue Wertschöpfung.
Systemhäuser können sich aus der Austauschbarkeit lösen, wenn sie nicht nur Technologie bereitstellen, sondern Kunden durch Veränderung führen. Genau hier entstehen neue Beratungsangebote, neue Enablement-Formate, neue Managed-Change-Leistungen und neue Rollen im Vertrieb.
Die entscheidende Frage für Unternehmer lautet deshalb:
Ist unser Unternehmen organisatorisch, kulturell und vertrieblich darauf vorbereitet, diese neue Rolle einzunehmen?
Wenn nicht, wird es Zeit.
Die größte Gefahr liegt darin, Transformationskompetenz beim Kunden zu versprechen, ohne sie im eigenen Unternehmen entwickelt zu haben.
Wer Trusted Advisor beim Kunden sein will, muss intern Menschen haben, die diese Rolle ausfüllen können. Wer KI-Kompetenz verkaufen will, muss intern KI-mündig werden. Wer Souveränität erklären will, muss selbst strategisch über Abhängigkeiten nachdenken. Wer Change begleiten will, muss intern eine Kultur des Lernens, Reflektierens und Anpassens etablieren.
Das betrifft Vertrieb, Presales, Consulting, Service, Projektmanagement und Führung gleichermaßen.
Die Unternehmen, die jetzt gewinnen, werden nicht zwingend die größten sein. Es werden diejenigen sein, die am schnellsten lernen. Die ihre Mannschaft entwickeln. Die Gespräche auf ein neues Niveau heben. Die Technologie nicht nur beherrschen, sondern einordnen können. Die ihren Kunden nicht mehr nur sagen, was möglich ist, sondern was sinnvoll, verantwortbar und wirksam ist.
Der FSAS Technology Summit 2026 war kein gewöhnlicher Technologiekongress. Er war ein Spiegel für Unternehmer, die ihr Unternehmen weiterentwickeln müssen.
Anja Kohl erinnerte daran, dass Zukunft schneller kommt, als Organisationen glauben. Professor Dr. Maja Göpel machte deutlich, dass Fortschritt eine Frage des Zielbildes ist. Santosch Wadwa zeigte, dass digitale Souveränität zur Grundlage wirtschaftlicher Stabilität wird. Christian Schulte stellte die unbequeme Frage, wie viel Automatisierung verantwortbar ist. Maik Homscheid und weitere FSAS-Verantwortliche machten sichtbar, dass der Channel künftig eine neue Rolle übernehmen muss: näher am Kunden, strategischer, verantwortlicher, transformativer.
Die zentrale Lehre lautet: Technologie ist nur der sichtbare Teil des Wandels. Der entscheidende Teil findet in den Köpfen, Strukturen, Gesprächen und Entscheidungen statt.
Für Unternehmer heißt das: Die nächsten Jahre werden nicht durch reine IT-Investitionen gewonnen. Sie werden durch Führungsfähigkeit gewonnen. Durch Change-Kompetenz. Durch Transformationsmanagement. Durch die Fähigkeit, Menschen mitzunehmen und Kunden Orientierung zu geben.
Systemhäuser, die diese Entwicklung ernst nehmen, können sich neu positionieren. Nicht als Lieferanten austauschbarer Technologie, sondern als Partner für digitale Souveränität, KI-Mündigkeit und Zukunftsfähigkeit.
Und genau hier entsteht die neue Qualität im Lösungsvertrieb: Der Trusted Advisor wird zur Schlüsselfigur.
Er ist nicht derjenige, der am lautesten verkauft. Er ist derjenige, dem Kunden in kritischen Zukunftsfragen vertrauen. Er hilft, Komplexität zu verstehen, Entscheidungen vorzubereiten und Veränderung tragfähig zu machen.
Die Zukunft der IT wird nicht von Technologie allein entschieden. Sie wird von Unternehmern entschieden, die den Mut haben, ihr Unternehmen weiterzuentwickeln — und von Menschen, die andere Menschen durch Veränderung führen können.
Wer die Themen des Beitrags vertiefen möchte, findet hier passende Angebote und Impulse von ADM:
Ein besonderer Dank gilt den Menschen, die mit ihren Beiträgen, Gesprächen, Perspektiven und Impulsen den FSAS Technology Summit 2026 geprägt haben:
Santosh Wadwa, Julius Berger, Steve Riedel, Andreas Penzkofer, Udo Würtz, Karl Hausdorf, Maik Homscheid, Eugen Straub, Aaron Can, Natascha Milillo, Katharina Berrehar, Jasmin Bullinger, Chiara Bergmann, Thomas Mack, André Gerke, Marcus Zimmermann, Fabian Scholz, Christoph Jäcksch, Sina Klinger, Yüksel Yilmaz, Andreas Dolle, Julian Anstätt, David Iwaniuk, Andreas Herschmann, Eric Boon, Sebastian Krausen, Fabian Stahl und Dr. Holger Klos, Anja Kohl, Prof. Dr. Maja Göbel.
Danke an FSAS für die Einladung, die Gastfreundschaft und die Möglichkeit, zwei intensive Tage mit vielen Zukunftsimpulsen, starken Gesprächen und einer klaren Botschaft zu erleben: Digitale Souveränität, KI und Resilienz werden erst dann wirksam, wenn Menschen Orientierung gewinnen, Verantwortung übernehmen und Transformation aktiv gestalten.